Bruno, Kasimir und andere
   Achim Brögers besonderer Pfiff, Bücher zu schreiben   

Mit Büchern wie „Der Ausreden-Erfinder“, „Doppelte Ferien sind am schönsten“ und „Steckst Du dahinter, Kasimir?“ hat der Braunschweiger Autor Achim Bröger jungen Lesern viel Spaß bereitet. Nun ereilte den 31jährigen auch offizieller Lorbeer: Das von ihm und der Grafikerin Gisela Kalow verfaßte Bilderbuch „Das wunderbare Bettmobil“ erhielt auf der Biennale in Bratislawa (Tschechoslowakei), den Illustrationspreis, für die Vertonung des Ausreden-Erfinders „Bruno“ gab's den deutschen Schallplattenpreis.
Wie das so geht: Brögers phantasievoll-skur­rile Geschichten erscheinen inzwischen auch Rundfunk- und Fernsehleuten reif zur Vermarktung, ausländische Lizenz­neh­mer, voran die Amerikaner, meldeten sich. Auf der Frankfurter Buchmesse zeigte ein DDR-Verlag Interesse für Brögers Bücher, die bei Thienemann, Stuttgart, verlegt werden.
Seichte Erzähl-Geschichten sind nicht Achims Fall. Sein „Bruno“, beispielsweise fesselt Erwachsene und Kinder glei­chermaßen, „Bruno“, der durch Telefondrähte spazieren kann, war Brögers erster Erfolg. Das Buch wurde bisher 22 000 Mal gedruckt. Brögers Bücher sind nicht problemüberfrachtet, sie gehen aber von alltäglichen Erfahrungen und Problemen von Kindern aus. Was fühlt zum Beispiel ein Kind, wenn es nach Hause kommt und keiner mit ihm sprechen will? Wie reagiert es, wenn Eltern sich streiten? Beobachtungen, die als Ge­dächt­nisstützen auf Zetteln notiert werden, die zu Hunderten in einem Kasten herumschwirren. „Stoff“, sagt Achim Bröger, „für vier oder fünf neue Bücher.“
Ebenso lustig wie Bruno ist die Figur „Kasimir“, der über die Fähigkeit verfügt, in honorige Gestalten hin­ein­zuschlüpfen und deren Verhalten für die staunende Umwelt auf das Seltsamste zu verändern. Da erzählt ein Schlachter, was er von wurstsüchtigen Kunden hält, der Bürgermeister steigt auf den Tisch und benimmt sich unmöglich, ein Fußball­schiedsrichter beachtet die Spielregeln nicht und sucht lieber Kleeblätter, ein Direktor Mehlschwitz hat plötzlich „das steife Getue satt“ und erklärt seinen Gästen, er möchte am liebsten bockspringen. Jedesmal steckt Kasimir dahinter.
Der Autor, der vier Tage in der Woche in der Werbeabteilung des Georg-Westermann-Verlages arbeitet, ist typisch für eine Schrift­stellergeneration, die mit Eifer, von Rundfunk und Fernsehen als Ideenlieferant vereinnahmt wird. So ist A. Bröger auch nicht vornehmlich durch seine Bücher, sondern durch eine Vielzahl von Sendungen bekannt geworden. Die Honorare fließen üppiger, das Arbeitspensum wird drückender. Der gebürtige Nürnberger hat sich an eine disziplinierte Arbeitsweise gewöhnen müssen.
Oft liest er vor Kindergruppen, beobachtet sie, fragt sie, was sie von Literatur erwarten. Erlebnisse werden Geschichten. Aus einem Krach beim Nachbarn hat Bröger eine interessante Kinderfunksendung gemacht.
In Buchhandlungen versucht Bröger manchmal, gute Kinder- und Jugendbücher zu verkaufen, natürlich auch seine eigenen. Oft erfolglos. Es ärgert ihn, wenn Erwachsene beim Bücherkauf ihre eigenen Maßstäbe gelten lassen.
Mit Sicherheit wird in Zukunft noch mehr von Achim Bröger zu lesen sein. Zur Zeit arbeitet er an einem Buch, das zehn Tage aus dem Leben eines Jungen beschreibt. Arbeitstitel: „Morgen wird alles anders sein“.  -ui-
  Braunschweiger Zeitung v. 21.10.1975